Aktuelles
30 Jahre St.-Marien |
| Veröffentlicht am 26.10.2010 |
Am Sonntag, 24.10.2010, feierte die Kirchengemeinde St. Marien zu Lamme ihre 30-jährige Selbständigkeit. Im November 1980 hatte der damalige Kirchenvorstand beschlossen, aus dem Pfarrverband Wedtlenstedt auszuscheiden.
Mit dabei war auch die erste Pfarrstelleninhaberin, Pfarrerin Dr. Christel Kiel. Propst Thomas Hofer überbrachte ein schwungvolles Grußwort der Propstei:
"30 Jahre Selbständigkeit einer Kirchengemeinde – und das in einer Zeit der „Fusionitis“, wo alles und jedes zusammengelegt werden muss. 1980 hat man entschieden, eine Kirchengemeinde in die Selbstorganisation zu entlassen. Die Wohnortgemeinde war das Pfund, mit dem wir nah an den Menschen sind. Und dann hat die Kirchengemeinde selbstverantwortet gemeinsame (also Fusion auf freiwilliger Basis) Arbeitsbereiche entdeckt und entwickelt in der Region: die LÖW-Konfirmanden- und Jugendarbeit. Gut so!
Der Kirchengemeinde wächst nun Bedeutung zu durch jedes Kind, das in hier getauft, jede Ehe, die hier begonnen wird. Und auch wenn öffentlich und gemeinsam geweint wird um Menschen, die nicht mehr bei uns sind, hat die Gemeinde eine wesentliche Aufgabe.
Aber manchmal macht uns das schon lang Gewohnte nur noch stumpf. Wie achtlos gehen wir oft an unseren Kirchengebäuden vorbei! Viele Menschen denken, solange diese Kirchengebäude von außen anständig aussehen, brauche man sich darum nicht zu kümmern, was in ihnen geschieht. Doch Kirchen die nicht mehr mit Leben gefüllt sind, verfallen, selbst wenn man ihre Fassade aufrechterhält.
Das „kleine“ Jubiläum der Kirchengemeinde St. Marien-Lamme wirft deshalb die Frage auf, was wir tun, um diese Gemeinde lebendig zu halten. Die St. Marien-Gemeinde ist wichtig für Menschen, die in ihr beständig zu Hause sind. Aber wichtig ist sie auch für Menschen, die eher in besonderen Zeiten glauben: In Zeiten des Unglücks oder des Glücks. Und selbst wenn die Menschen sich den Raum der Kirche nur auf Zeit ausleihen, wenn sie die Sprache des Glaubens nur bei Gelegenheit in Anspruch nehmen, wenn sie von den Gebärden des Glaubens nur in der Not Gebrauch machen: Die Kirche ist für sie da. Darum gilt all denen Dank, die mit hohem Engagement und Sachverstand sich um die Weiterentwicklung der Kirchengemeinde mühen. Dank gilt Pfarrer Kiy und seiner Frau, Dank dem Kirchenvorstand und den vielen, vielen Ehrenamtlichen, die dafür sorgen, dass die Gemeinde in Lamme ein gastlicher Ort. Gerne komme ich nach Lamme. Alle, die haupt- und ehrenamtlich in Lamme in den letzten 30 Jahren geschafft haben, haben eine gute Basis gelegt, auf der man künftig aufbauen kann.
Nach der Visitation im letzten Jahr haben wir es dem Kirchenvorstand auch schriftlich gegeben: Hier wird gute Arbeit gemacht. Und nichts muss bleiben wie es ist. Veränderung ist immer auf dem Weg.
Möge es der Gemeinde St. Marien gelingen, ein gastlicher Ort zu bleiben und zu sein. Einladend und offen. Aber gastlich ist eine Kirche nur, solange sie sich deutlich unterscheidet, von allem, was sie umgibt. Wenn eine Kirche undeutlich wird, verliert sie ihre Gastlichkeit. Je deutlicher sie aus sich selber ist, desto leichter kann sie auch undeutliche Gäste ertragen. Nie wird sie die Hoffnung fahren lassen, das diese Gäste selbst deutlich werden und eines Tages selbst erklären können, warum man diese Gemeinde und ihre Kirche braucht. Denn was wäre, wenn in Braunschweig keiner mehr den Namen Gottes nennt?
Herzlichst und Gott befohlen
IhrThomas Hofer, Propst der Ev.-luth. Propstei Braunschweig"
Zuletzt geändert am: 15.12.2010
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